Buchempfehlung – Warum Gleichberechtigung in Führungsetagen noch immer keine Realität ist

„Wir sind doch alle schon längst gleichberechtigt!“ – ein Satz, der in vielen Gesprächen fällt und dennoch jedes Mal einen bitteren Beigeschmack hat. Denn so oft er auch gesagt wird, so wenig stimmt er. Ja, es hat sich in den letzten Jahrzehnten viel bewegt. Frauen sind sichtbarer geworden, sie sitzen häufiger in Führungsetagen, werden lauter, mutiger, selbstbestimmter. Doch wer genauer hinsieht, erkennt: Der Weg zur echten Gleichberechtigung ist noch immer weit.

Ein Blick auf die Realität: Fakten, die zum Nachdenken anregen

Das Buch „Erfolgreich statt perfekt“ von Frederike Probert, nimmt sich genau dieses Themas an. Auf Basis fundierter Zahlen, Studien und persönlicher Geschichten zeigt Probert, dass Frauen nach wie vor auf vielen Ebenen benachteiligt sind – sowohl im Berufsleben als auch darüber hinaus.

Die Zahlen sprechen für sich:

• Berufe, die als „typisch weiblich“ gelten, werden noch immer schlechter bezahlt als männlich dominierte Branchen. 

• Frauen leisten weltweit rund drei Viertel der unbezahlten Care-Arbeit – Arbeit, die mit einem geschätzten Gegenwert von bis zu 167.000 Euro pro Jahr ein erhebliches Einkommen bedeuten würde, wäre sie bezahlt. 

• Die Gender Pension Gap bleibt eklatant: Rentnerinnen erhalten im Schnitt 46 Prozent weniger Rente als Männer. 

• Der Anteil von Frauen in Führungspositionen in Deutschland liegt weiterhin bei unter 30 Prozent.

Diese Fakten sind ein klares Signal: Gleichberechtigung ist kein erreichten Zustand, sondern ein anhaltender Prozess – einer, der noch nicht annähernd abgeschlossen ist.

Ein anderes Karrierebuch: weg von Perfektion, hin zu echtem Erfolg

Karriere-Ratgeber für Frauen gibt es viele – doch zu oft drehen sie sich um Selbstoptimierung. Frauen sollen selbstbewusster, härter, durchsetzungsfähiger, schlicht „perfekter“ werden, um in einer männlich geprägten Arbeitswelt zu bestehen. 

Frederike Probert geht einen anderen Weg. In „Erfolgreich statt perfekt“ geht es nicht darum, sich zu verbiegen. Stattdessen beleuchtet sie kritisch, wie strukturelle und gesellschaftliche Hürden Frauen auf ihrem Karriereweg bremsen – und was sich ändern muss, um echte Chancengleichheit zu schaffen. 

Über 40 inspirierende Frauen aus Wirtschaft und Unterhaltung teilen in dem Buch ihre persönlichen Erfahrungen. Sie berichten von Erfolgen und Rückschlägen, von strukturellen Barrieren und Wegen, diese zu überwinden. Ein roter Faden, der sich durch alle Erzählungen zieht: Vernetzung, gegenseitige Unterstützung und Solidarität sind entscheidend, um die Karriereleiter gemeinsam zu erklimmen. 

Patriarchale Strukturen – das unsichtbare Fundament der Ungleichheit

Einer der zentralen Punkte, den Probert und ihre Mitautorinnen betonen: Solange patriarchale Strukturen existieren, bleibt Gleichberechtigung eine Illusion.
Diese Strukturen prägen, wie Macht verteilt wird – und sie bestimmen oft unbewusst, welche Rollen Männer und Frauen in der Gesellschaft (und im Beruf) einnehmen sollen.

Klischees über angeblich „harmoniebedürftige“ oder „emotional instabile“ Frauen halten sich hartnäckig – ebenso wie die Vorstellung, dass sie weniger Karriereambitionen hätten. Diese Zuschreibungen mögen altmodisch klingen, aber ihr Einfluss ist hochaktuell. Sie beeinflussen, wie Frauen wahrgenommen, bewertet und befördert werden.

Mehr als Frauenquoten: Diversität als Schlüssel

Ein besonders prägnantes Zitat aus dem Buch lautet: 

„Es ist an der Zeit, weniger von einer Frauenquote, sondern vielmehr von einer Diversitätsquote zu sprechen.“

Denn Gleichberechtigung bedeutet nicht nur, dass Frauen neben Männern sitzen. Es geht um Vielfalt – um soziale Herkunft, Hautfarbe, sexuelle Orientierung, körperliche Beeinträchtigung und viele weitere Faktoren, die unsere Gesellschaft prägen. 

Der im Buch enthaltene Essay von Lunia Hara macht deutlich, dass echte Diversität mehr ist als Zahlen in Statistiken: Sie ist eine Haltung, die jede Organisation aktiv fördern muss, um nachhaltig erfolgreich zu sein.

Gemeinsam stark: Netzwerke als Motor des Wandels

Neben der kritischen Analyse liefert das Buch konkrete Lösungsansätze: Frauen können durch Netzwerke wie Mission Female, Frederike Proberts eigenes Karriere-Netzwerk, ihre Sichtbarkeit erhöhen, sich gegenseitig empowern und gemeinsam Druck auf patriarchale Systeme ausüben. 

Denn Veränderung braucht Unterstützung – und Mut. „Erfolgreich statt perfekt“ macht beides greifbar. 

Fazit: Der Weg ist noch weit – aber er lohnt sich

Das Buch von Frederike Probert ist kein klassischer Karriereleitfaden, sondern ein Aufruf zu echtem gesellschaftlichen Wandel. Es fordert uns auf, alte Strukturen zu hinterfragen, Klischees zu überwinden und Gleichberechtigung nicht als Zustand, sondern als fortlaufenden Prozess zu verstehen. 

Echtes Empowerment bedeutet nicht, perfekt zu sein – sondern authentisch, solidarisch und entschlossen.
Und genau das ist „Erfolgreich statt perfekt“: ein Plädoyer für Stärke ohne Selbstverleugnung, und für eine Arbeitswelt, in der Vielfalt nicht nur zugelassen, sondern gelebt wird.

I love reading.

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