Wir sind doch alle schon längst gleichberechtigt!“ Ein Satz, den wir Frauen immer wieder hören, obwohl wir ihn in Wahrheit nicht mehr hören können. Meistens stammen Aussagen wie diese von Männern, die einfach nicht glauben können, dass Frauen sich immer noch nicht zufrieden geben mit dem, was sie haben. Und ja, in den letzten Jahren hat sich viel getan, das ist wahr. Nur eben nicht genug. Denn bei dem Anblick, der sich uns bietet, gibt es leider immer noch allen Grund, nicht zufrieden zu sein. Allein, wenn wir uns den Bereich der Karriere anschauen, ist die Liste mit Ungerechtigkeiten sehr lang.
Viele Berufe, die als „typisch weiblich“ gelten, werden schlechter bezahlt als ihre männlichen Äquivalente. Ganz unabhängig davon, dass allein schon diese Zuordnung ein Problem darstellt. Frauen leisten weltweit rund drei Viertel der unbezahlten Care-Arbeit. Damit kämen sie allein dafür auf ein Jahresgehalt von 37.000 bis 167.000 Euro. Ein super Gehalt! Zumindest, wenn es ausgezahlt werden würde. Wird es aber nicht. Frauen sind stärker von dem Risiko betroffen, unter Altersarmut zu leiden. Und auch die Gender Pay Gap ist nach wie vor ein großes Thema. So groß, dass heutige Rentnerinnen durchschnittlich 46 Prozent weniger Rente als ihre männlichen Mitstreiter bekommen. Der Anteil von weiblichen Führungskräften liegt in Deutschland bei nicht einmal 30 Prozent. So viel zum Thema Gleichberechtigung.
Patriarchale Strukturen ist die Ursache für die immer noch aktuelle Problematik. Dabei kommt man immer wieder zu dem Schluss: Der wichtigste Punkt, den wir als Gesamtgesellschaft angehen müssen, um wirkliche Gleichberechtigung zu erreichen, besteht daraus, die patriarchalen Strukturen zu identifizieren und aufzubrechen. Als Folge des Patriarchats werden Männern wie Frauen bestimmte Rollen zugeordnet. Diese sind verbunden mit Ansprüchen und Erwartungshaltungen. Und es leiden nicht nur Frauen darunter, sondern auch Männer.
Doch wie beeinflussen diese Klischees Frauen auf dem Weg in die Führungsetagen? Frauen wird immer noch nachgesagt, dass sie kein Durchsetzungsfähigkeit hätten, weil sie nur auf Harmonie bedacht seien, wirkt sich auch in Büros auf die Sichtweise auf Mitarbeiterinnen aus. Sie seien „zu emotional“, und könnten sowieso nicht gut mit Zahlen umgehen. Außerdem denken immer noch viele Menschen, dass Frauen nicht Karriere machen wollen oder sollten, da sie nach Kindern und Familienidylle streben würden. Klischees, die klingen, als seien sie aus einer vergangenen Zeit, beeinflussen und beherrschen auch heute immer noch das Arbeitsleben.
Ist es daher nicht an der Zeit, weniger von der Frauenquote, sondern vielmehr von einer Diversitätsquote zu sprechen? Denn es geht nicht nur um die Verteilung von männlichen und weiblichen Mitarbeiterinnen, sondern um viel mehr. Denn nicht nur das Geschlecht stellt einen Aspekt von Diskriminierung dar, sondern auch soziale Herkunft, Hautfarbe, sexuelle Orientierung, körperliche Behinderungen und vieles mehr.
Die mangelnde Repräsentanz von Frauen in Führungsetagen hat wenig mit mangelnder Qualifikation zu tun, sondern viel mit veralteten gesellschaftlichen Erwartungen. Diese aufzubrechen, ist die Aufgabe, die vor uns liegt. Das, was wir im Kleinen verändern können, ist das Netzwerken und uns gegenseitig zu unterstützen. Und das macht auch nebenbei Mut, gemeinsam weiter gegen patriarchale Strukturen anzukämpfen.

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